Gedanken zum Danken

Gedanken zum Danken
Veröffentlicht am Mi., 26. Aug. 2020 14:37 Uhr
Neuigkeit

Wie heißt eigentlich das schwerste Wort, das Sie kennen? Vielleicht „Hódmezövásárhelykutasipuszta“ wie der ungarische Ort aus dem Film „Ich denke oft an Piroschka“? Oder welches Wort ist für Sie das schwerste? Josef Reding sagt: „Das schwerste Wort heißt nicht Popocatepetl wie der Berg in Mexiko und nicht Chichicastenango wie der Ort in Guatemala und Ouagadougou wie die Stadt in Afrika. Das schwerste Wort heißt für viele: Danke!“

Ja, Josef Reding hat wohl ganz Recht mit seiner Vermutung, denn für viele Menschen ist alles im Leben selbstverständlich. Und wenn alles selbstverständlich ist, warum sollte ich dann „Danke!“ sagen? Und wem? Dass ich genug zu essen habe, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, dass ich gesund bin und es Menschen gibt, die mich mögen, all das ist für viele Zeitgenossen so selbstverständlich, dass sie gar nicht darüber nachdenken. Überdies sind viele der Meinung, dass sie ein Recht auf ein gutes Leben haben. Und wenn es mal im Leben nicht so gut läuft, dann wird schnell gefragt „Womit habe ich das verdient?“, als ob sich ein Mensch Glück oder Unglück verdienen könnte. Aber ist es wirklich selbstverständlich, dass ich bewahrt bleibe oder dass ich die Mittel habe, die ich zum Leben brauche? Wenn wir in manche Regionen unserer Welt schauen, werden wir sehr schnell feststellen, dass nichts auf der Welt selbstverständlich ist. Und der Satz „Jeder ist seines Glückes Schmied“ wirkt da geradezu bösartig angesichts des millionenfachen Hungers in aller Welt. 

Vieles im Leben ist ein Geschenk, davon bin ich zutiefst überzeugt. Wenn ich geliebt werde, ist das ein Geschenk. Wenn ich genug zu essen und ein Zuhause habe, ist das auch ein Geschenk. So viele Menschen weltweit haben das nicht und träumen davon, richtig satt zu sein oder ein Dach über dem Kopf zu haben. Sind diese Menschen selbst schuld an ihrem Unglück? Wohl kaum! 

Die Frage ist allerdings, wem verdanke ich das gute Leben, das ich führen kann? Ein Stück weit sicher mir selbst, denn ich habe es mir hart erarbeitet. Ein Stück weit sicher auch meiner Familie, die für mich sorgt, oder unserer Gesellschaft, die mich in Notzeiten unterstützt. Als Christ weiß ich darüber hinaus, dass ich im Grunde alles aus Gottes Hand empfange. Und dieses Wissen um den Geber dieser guten Gaben, lässt mich dankbar werden. Mehr noch, dieses Wissen lässt mich verantwortlich an die denken, denen es nicht so gut geht wie mir. Schon die allerersten Christen haben für die Armen gesammelt, denn ein Glaube ohne die Tat, ohne Nächstenliebe, ist hohl. Den Segen, den ich empfange, weiterzugeben und mich bei dem zu bedanken, dem ich so viel verdanke, dazu drängt mich mein Glaube. 

Ich wünsche uns allen, dass „Danke!“ für uns nicht das schwerste Wort ist, und dass wir von dem Geschenk, das wir empfangen, auf den schauen können, der es uns schenkt.

Pastor Oliver Okun